Ein anderer,
der Italiener Umberto Eco bringt auch das Bild des Netzes
ein, hier unter
erkenntnistheoretischem Aspekt. Er unterscheidet drei Typen von Labyrinthen.
Das erste der
Antike war ein lineares Labyrinth. Dann folgte das des Manierismus, der Irrgarten.
Das Labyrinth
der dritten Art ist ein Netz, vergleichbar mit der pflanzlichen Metapher des
Rhizoms (Wurzelstock),
ein Gewirr von Knollen und Knoten, sich kreuzenden Linien und Punkten.
Der Ausstellungstitel "Multiversum" ist
ein konzeptueller Begriff. Die Bilderserien von Dietrich
Schulze scheinen sich wie Netzwerke auszubreiten, strukturell
nach allen Seiten offen, multidimensional. Eine offene
Karte, die sich mit vielen anderen Punkten, Linien, Elementen,
Bildern und Begriffen verbindet. Das fabulierende Moment
in seinen Arbeiten zieht den Betrachter in das Bild und
beschäftigt ihn, den Geheimnissen der Bildwerdung
und Bildbedeutung nachzugehen. Der hohe Abstraktionsgrad,
der auch das Ornamentale und symbolhafte Assoziation mit
einschließt, verleiht den Arbeiten teils einen Zug
zum Transzendentalen und Hintergründigen.
Abschließend noch ein Zitat von Deleuze und Guattari über den Umgang
mit dem Buch: "Es gibt keinen Tod des Buches, sondern eine neue Art zu lesen.
In einem Buch gibt es nichts zu verstehen, aber viel, dessen man sich bedienen
kann. Nichts zu interpretieren und zu bedeuten, aber viel, womit man experimentieren
kann." Diese Aussage ließe sich auch auf den Umgang mit der Kunst
beziehen und insbesondere auf die von Dietrich Schulze: Es ist ein Experimentieren,
im Sinne von Aufbrechen von Wahrnehmungsmustern, durch Abweichungen, Irritationen,
Brüche etc., ein Experimentieren, das lustvoll das Spielerische mit einbezieht,
den frischen lebendigen Umgang mit den Dingen.
Zehdenick, 30.08.1998 |